Im ersten Teil sprachen wir über Schönheit, Symmetrie und Harmonie. Aber die Welt ist nicht nur schön und harmonisch. Interessant wird sie meist durch hässliche Asymmetrien.
So ließ Johannes Kepler zum Glück die Natur sprechen und ersetzte seine Harmonien der Welt, die perfekten Sphären, durch Ellipsen, auf denen sich die Planeten um die Sonne bewegen. Dahinter steckt Newtons Kraftgesetz. Es ist perfekt rotationssymmetrisch, aber alle seine Lösungen brechen diese Symmetrie.
Es sind gerade diese Schönheitsfehler, die unsere Welt ausmachen: So ist die winzige Asymmetrie zwischen Materie und Antimaterie, die kurz nach dem Urknall entstand, für die Materie verantwortlich, aus der die Galaxien, Sterne, Planeten und wir heute Menschen bestehen.
Symmetriebrechung gibt es auch zwischen Elektrizität und Magnetismus und beim Higgsfeld, das unser Universum erfüllt und die Massen der Teilchen erzeugt.
Wir sprechen auch darüber, wie die Wissenschaft zuweilen Hässliches und Unverstandenes verdrängt und unter den Teppich kehrt.
Kosmos heißt Schönheit, Harmonie und Ordnung.
Die Suche nach der Schönheit in der Natur war für Wissenschaftler oft eine entscheidende Triebfeder und ein Erfolgsrezept bei der Suche nach der Wahrheit.
Schönheit und Symmetrie schaffen nicht nur Ordnung und Harmonie in unserer Welt. Symmetrien bestimmen auch die Gesetze der Physik, die unsere Welt regieren.
Zu schön, um nicht wahr zu sein –
dürfen wir so an eine schöne Idee in der Wissenschaft herangehen?
Bei aller Freude über die Schönheit von Symmetrien in der Natur – oft sind winzige Schönheitsfehler das Salz in der Suppe. Wie die winzige Asymmetrie zwischen Materie und Antimaterie im Universum, von der unsere gesamte materielle Existenz abhängt. Auf reizvolle Weise ergänzen also Schönheit und Hässlichkeit einander in unserer Welt.
In der ersten Ausgabe unseres Podcasts „Die großen Rätsel und offenen Fragen der modernen Physik“ sprechen wir über Raum und Zeit, den Inhalt des Universums, seinen Anfang und sein Ende, Wahrheit und Schönheit.
In den letzten Jahren ist es gelungen, zwei der erfolgreichsten Theorien der Physik durch Experimente zu bestätigen: Die Allgemeine Relativitätstheorie durch den Nachweis der Gravitationswellen und das Standardmodell der Elementarteilchenphysik durch die Entdeckung des Higgs-Teilchens. Damit sind aber nicht alle großen Fragen beantwortet, im Gegenteil …